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Lena Grohmann, Schweiz

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Lena Grohmann at Ashram with Children

War im Ashram vom 27. Dezember 2011 bis zum 14. Januar 2012

„Volunteering im Jaisiyaram Ashram" oder „Liebesbrief an Indien"

Bevor ich beginne über meine Erfahrung im Ashram zu schreiben, würde ich gerne drei der wahrscheinlich am häufigsten gestellten "westlichen" Fragen bezüglich eines solchen Aufenthalts beantworten.

1. Erhältst du eine spirituelle Gehirnwäsche? - Nein. Definitiv nicht.
2. Kannst du spirituelle Erleuchtung erwarten? - Das hängt ganz von dir ab.
3. Wirst du eine unvergessliche Zeit mit einer indischen Familie verbringen? - Ja, auf jeden Fall.

Wie ich dort hingekommen bin

Vielleicht zunächst einmal Hintergrundinformation zu meiner Person, sodass du eine bessere Vorstellung über die Person hast, die das hier schreibt und diese Erfahrung machen durfte. Ich bin eine 28-jähriges, weisses blondes Mädchen aus Österreich und lebe seit 5 Jahren in der Schweiz. Obwohl ich viele Länder bereist habe und auch mehrere Jahre im Ausland gelebt habe, war ich noch nie zuvor in Indien oder Asien. Das ist eine sehr wichtige Tatsache, da es das ganze Erlebnis noch intensiver macht. (An jene, welche bereits in Indien waren: ihr wisst, was ich meine...) Ich war 3 Wochen im Ashram (27. Dez.2011 bis 14. Jan 2012)

Ankunft in Indien / im Ashram

Nach ein paar sehr netten und liebevollen E-Mails mit Ramona kam ich endlich in Delhi gegen etwa 03.00 Uhr morgens an, wo mich der organisierte Fahrer (kein Englisch) abholte und nach Vrindavan brachte. Um es in den Worten einer SMS an einen guten Freund auszudrücken: " Wir sind nun gelandet - der Flughafen ist sehr schön und sauber. Fast wie zu Hause" 10 Minuten später: "Ok. Wir sind nun draussen in der realen Welt. Es ist verrückt!"

Volunteer Arbeit & Alltag im Ashram

Du kannst dir den Ashram als familienbetriebenes Gästehaus vorstellen. Während deines Aufenthalts genießt du das Privileg stundenweise Familienmitglied zu sein, was unbezahlbar ist. Das Familienleben folgt seinem üblichen Ablauf und du kannst selbst entscheiden, wie sehr du integriert werden möchtest oder ob du lieber alleine sein möchtest. Meine Volunteer Arbeit bestand aus Übersetzungen und Updates der Homepage, was ich sehr gerne mochte, da ich mein theoretisches Wissen über Yogapositionen vertiefen konnte. Während meines Aufenthalts im Ashram war ich komplett frei. Ich konnte meinen Tag organisieren wie ich wollte. Bis 10.00 Uhr schlafen? Kein Problem. Yoga zu einer beliebigen Tageszeit ausüben? Los geht's! Die "reale Welt" draussen kennenlernen und den Markt besuchen? Klar - Ich bringe dich hin, wenn du willst.

Besonders Purnendu und Yashendu halfen mir mit den "logistischen" Aspekten wie etwa zum Markt gehen und mir die Gegend zeigen. Ramona hatte immer ein offenes Ohr für Fragen oder Geschichten und Swami Ji ist wirklich eine "greifbare" Person. Das Essen - zubereitet unter dem prüfenden Blick von Ammaji (Mutter) - ist eine pure Gaumenfreude. Jeden einzelnen Tag. Mach dir nichts aus der kleinen Maus, die in der Küche lebt, sie hat ihr Recht auf Existenz und ist ebenso ein Teil der Ashram Familie. Das Essen wird aus frischen Zutaten und auf hygienische Art und Weise zubereitet - kein einziges Mal hatte ich irgendwelche Probleme.

Ich würde sagen es gibt eine sehr einfach Regel im Ashrm: Du KANNST viele Dinge tun, aber es gibt nichts, was du tun MUSST. Und alles was du tust ist völlig in Ordnung. Es gibt lediglich vier feste Punkte am Tag (natürlich kannst dich dich entscheiden nicht daran teilzunehmen - du hast völlige Freiheit):
Morgentee
Mittagessen um 11.00 Uhr (bevor die Schulkinder essen)
Nachmittagstee um 16.00 Uhr
Abendessen um 19.00 Uhr

Nachdem ich die tägliche Routine ein wenig kennengelernt habe, genoss ich es an anderen täglichen Ashram Aktivitäten teilzunehmen, wie den Milchmann zu empfangen (er bringt jeden Tag frische Milch in großen Kanistern auf seinem Fahrrad), Chapati Brot fürs Mittag- und Abendessen ausrollen (auch jeden Tag frisch zubereitet), mit den Schulkindern rumalbern, mit den Jungen des Ashrams Cricket spielen,...

Weil die Familie viele Helfer hat (Mitarbeiter die sich um die Wäsche, das Kochen, Putzen usw. kümmern) ist immer jemand da und jeden Abend, als ich zu Bett ging, freute ich mich bereits auf ihr freundliches "Guten Moooorgen" am nächsten Tag. Es gab so viele persönliche Highlights, dass es mit wirklich schwerfällt die besten rauszupicken.

Hier ist dennoch mein Versuch:

- Naniji (Großmutter) begrüßte mich mit einem Kuss auf die Stirn
- Das erste Mal, als ich es schaffte ein perfektes, rundes Chapati zu rollen (danke Babu & Matadi!)
- Farben auf Hindi mit Surac zu lernen (wie schlecht, ich kann mich nicht an sie erinnern!)
- Yoga mit Yashendu am frühen Morgen
- Jeder Marktbesuch mit Purnendu oder Yashendu
- Mein erster Marktbesuch ohne die Führung von Purnendu oder Yashendu (es dauerte zwei Wochen bis ich mutig genug war)
- Babbaji (Vater) brachte mir zum Frühstück frische, geschnittene Früchte
- Meinen lieben Pawan, Mohit und Jay Singh (Ashram Jungen) Cricket spielen sehen
- Ammaji (Mutter) zeigte mir wie man "Gajar ka halwa" macht
- Mit den drei jüngeren Jungen des Ashrams kichern, als sie mich in meinem Zimmer besuchten
- Als ich realisierte wie sehr ich Ramona vermisst hatte, als diese ins Krankenhaus ging um Apra auf die Welt zu bringen
- Dass ich eine der ersten Personen die den kleinen Sonnenschein Apra halten durfte
- Von Affen ausgeraubt werden (oh ja!)
- Die Art, wie indische Leute mich anstarrten, mit einer Mischung aus Neugier und Bewunderung (was genau die gleiche Art ist, wie ich sie angestarrt habe) ...das ist die "Erleuchtung" die ich in Indien erfahren habe.

Ein Fazit

Ja, Indien ist intensiv. Verglichen mit westlichen Standards ist es unglaublich schmutzig, laut, vollgestopft, es stinkt, auf der Straße sind Tiere und Männer urinieren auf der Straße. Alles scheint unvollkommen und irgendwie nicht zu Ende gemacht worden zu sein. Wenn du offen für Neues bist und imstande bist, alles beiseite zu schieben was du sonst kanntest - dann wirst es einfach nur lieben.
Meiner Meinung nach, liegt das Geheimnis darin, die Dinge als "anders" zu betrachten. Versuche nicht sie mit deinen Standards zu vergleichen, um sie dann als "besser" oder "schlechter" zu bezeichnen". In Indien ist alles einfach perfekt, wie es ist. Es ist nur nicht wie etwas, an das du gewohnt bist. Wenn du dein eigenes Weltbild nicht als Maßstab heranziehst, dann wirst du fasziniert sein von der Warmherzigkeit der Menschen, ihrem aufrichtigen Lächeln, den leuchtenden Farben, der gesamten Anarchie der Kühe, Rikshas, Tuk-Tuks, LKW's, Autos, Schweinen, Fahrrädern, Fußgängern, Affen und Mofas auf den Straßen (Irgendwie funktioniert das! Es ist nur unverständlich für uns)

Indien bringt dir bei loszulassen und dich dem Unbekannten hinzugeben. Es zeigt die innere Schönheit aller Dinge. Wie wenig du von den materiellen Dingen brauchst um glücklich und zufrieden zu sein. Und wie wertvoll die Facetten der aufrichtigen Liebe sind.

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